Herkömmliche Kleber für Wimpernverlängerungen härten durch Luftfeuchtigkeit aus. Wie schnell, hängt von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit im Raum ab – manchmal kann es bis zu 24 Stunden dauern. Während dieser Zeit kann es bei Kundinnen zu Reizungen kommen, und für Wimpernstylisten besteht das Risiko, dass einzelne Extensions während der Applikation zusammenkleben.
Eine Alternative ist das Aushärten mit UV-LED-Technologie. Dabei wird ein spezieller Wimpernkleber fast augenblicklich ausgehärtet. Auf diese Weise lassen sich Probleme durch Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit reduzieren, und die Arbeit wird insgesamt präziser und effizienter. In vielen Fällen halten mit UV-LED gehärtete Wimpernverlängerungen besser.
UV-Härtungsgeräte für Wimpern geben deutlich weniger UV-Strahlung ab als natürliches Sonnenlicht oder Solarien. Doch die Anwendungen erfolgen wiederholt, in unmittelbarer Nähe und in einem sehr sensiblen Bereich am Auge. In diesem Artikel betrachten wir mögliche Risiken und Vorsichtsmaßnahmen, die bei UV-LED-Härtung in der Wimpernverlängerung notwendig sind.
Was bedeuten „UV“ und „LED“?
UV ist die Abkürzung für ultraviolette Strahlung, also elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen zwischen 10 und 400 Nanometern. Bei 400 nm endet konventionell der UV-Bereich und es beginnt der Bereich des sichtbaren Lichts. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, Wellenlängen bis zu 430 nm noch zum UV-Bereich zu zählen.
Der Begriff „ultraviolett“ stammt aus dem Lateinischen. „Ultra“, bedeutet „jenseits“, und „violett“ ist die Farbe mit der höchsten Frequenz, die das menschliche Auge sehen kann. Ein Großteil der UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar. Wir wissen, dass sie existiert, weil wir ihre Effekte nachweisen können.


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LED bezeichnet eine elektrische Lichtquelle, die Licht mithilfe von Leuchtdioden („light-emitting diodes“) erzeugt.


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Wie funktioniert die UV-LED-Härtung?
Die UV-Härtung (Ultraviolett-Härtung) ist ein Verfahren, bei dem ultraviolettes Licht eine photochemische Reaktion auslöst, die ein vernetztes Polymernetzwerk erzeugt. Anders gesagt: Das UV-Licht aktiviert den UV-Kleber und lässt ihn fast augenblicklich vollständig aushärten.
Die UV-LED-Klebstoffe bestehen aus einer Mischung von Acrylaten und Photoinitiatoren. Die Photoinitiatoren sind dafür verantwortlich, Reaktionen im UV-Kleber auszulösen, sobald er Strahlung (in Form von UV- oder sichtbarem Licht) ausgesetzt wird.
Bei der Applikation von Wimpernverlängerungen verkürzt die UV-LED-Härtung die Aushärtungszeit, sorgt für eine stärkere Verbindung und verbessert in vielen Fällen die Haltbarkeit der Extensions.


Risiken im Zusammenhang mit UVA-Licht
Die UV-Härtung funktioniert am besten bei einer Wellenlänge von 365–405 nm, die als weiches UV bzw. UVA bezeichnet wird. Dieses Spektrum liegt dem sichtbaren Licht am nächsten und gilt als der sicherste der drei UV-Bereiche.
Im Vergleich zu UVB und UVC hat UVA eine geringere Energie und verursacht daher seltener sofortige Effekte wie Sonnenbrand. Aus diesem Grund wird es häufig in kosmetischen und medizinischen Anwendungen eingesetzt.
UVA-Licht kann jedoch Kollagenfasern schädigen, die Hautalterung beschleunigen und zur Bildung von Falten führen. Außerdem kann es Vitamin A in der Haut abbauen.
Neuere Studien zeigen außerdem, dass UVA-Licht die DNA indirekt schädigen kann – ein Effekt, der mit einem erhöhten Risiko für Melanome in Verbindung gebracht wird.
Die UVA-Belastung durch die UV-LED-Härtung bei der Wimpernverlängerung ist im Vergleich zum natürlichen Sonnenlicht sehr gering. Da die Behandlungen jedoch wiederholt stattfinden und in der Nähe empfindlicher Bereiche wie der Augen erfolgen, werden Vorsichtsmaßnahmen sowohl für Wimpernstylisten als auch für Kundinnen empfohlen.
Schutz für Wimpernstylisten
- Das Wichtigste ist, nicht direkt in die Lichtquelle zu schauen – dies kann das Auge ernsthaft schädigen.
- Das Tragen einer UV-Schutzbrille wird dringend empfohlen. UV-Licht reflektiert von den Oberflächen, auf die es gerichtet wird, und ohne Schutz kann es die Augen des Stylisten schädigen.
UV-SchutzbrillenDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Augenschutz gegen UV-Strahlung bis 400 nm. Bei Wimpernverlängerungen kommen hauptsächlich zwei Arten von UV-LED-Lampen zum Einsatz: violettes Licht (395–400 nm) und weißes Licht (405 nm). Für beide Lampentypen werden UV400-zertifizierte Schutzbrillen empfohlen, da sie Strahlung bis 400 nm blockieren. Brillen mit einer leicht getönten Beschichtung können zudem helfen, die Ermüdung der Augen und Reizungen bei längeren Behandlungen zu reduzieren. Hinweis: Viele Brillen mit dem Sicherheitsstandard EN166/170 bieten zwar 99,9 % UV-Schutz, decken jedoch nur Wellenlängen bis 380 nm ab. Diese Brillen schützen nicht vollständig vor UVA-Strahlen – daher sind UV400-zertifizierte Brillen die sicherere Wahl. |
- Beim Abdecken des Augenbereichs der Kundin empfiehlt es sich, mattes und dunkles Tape oder Pads zu verwenden, um übermäßige Lichtreflexionen zu vermeiden. Helle und glänzende Materialien reflektieren mehr Licht zurück in die Augen des Stylisten.
- Einige Stylisten tragen zudem Handschuhe, um ihre Finger vor UV-Licht zu schützen.
- Auch wenn die UV-LED-Härtung schneller ist, setzen die Klebstoffe weiterhin Dämpfe frei. Deshalb ist auf eine gute Belüftung des Arbeitsraums zu achten.
- Es sollten ausschließlich zertifizierte UV-Härtungslampen für Wimpernverlängerungen verwendet werden. Professionelle Geräte sind speziell für die sichere Anwendung in der Nähe der Augen entwickelt.
Schutz für die Kundinnen
- Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme besteht darin, dass die Augen der Kundin während der gesamten Behandlung vollständig geschlossen bleiben. Falls nötig, können die Augenlider sanft mit Tape fixiert werden, um den vollständigen Verschluss zu gewährleisten. Das UV-Licht darf niemals auf offene Augen gerichtet werden.
- Die Kundin sollte sich während der gesamten Behandlung wohlfühlen. Wimpernstylisten sollten nachfragen, ob Wärme von der Lampe spürbar ist oder Licht zwischen den Lidern ins Auge gelangt. Außerdem ist es wichtig, die Kundin darauf hinzuweisen, die Augen während der gesamten Behandlung geschlossen zu halten.
- Die meisten UV-LED-Härtungsgeräte für Wimpernverlängerungen sind sicherheitsgeprüft und für einen Arbeitsabstand von 20 cm ausgelegt. Es wird nicht empfohlen, das Gerät näher als 15–20 cm an das Auge heranzuführen, da die UV-Belastung bei geringerem Abstand deutlich zunimmt.
- Zum Schutz der Haut rund um die Augen sollten Tape oder Gel-Pads verwendet werden. Bei dünnerem Tape könnten zwei Lagen notwendig sein, um besseren Schutz zu gewährleisten. Die meisten Gel-Pads auf dem Markt blockieren den Großteil des Lichts.
- Es ist einfach, Tapes und Pads unter der Lampe zu testen, indem man sie in der Hand unter das Licht hält.


- Die Linse sollte in der kleinstmöglichen Einstellung verwendet werden, damit das UV-Licht nur auf den geschützten Bereich gerichtet ist.
- Die Farbe Schwarz beeinflusst die Lichtblockierung der Tapes oder Pads nicht. Allerdings hilft eine schwarze, matte Beschichtung, Reflexionen zu vermeiden, die in die Augen der Stylistin zurückgeworfen werden könnten.
- UV-Wimpernkleber enthalten weiterhin Acrylate, die die Hauptursache für allergische Reaktionen sind. Das schnelle Aushärten und die sofortige Bindung der Kleberdämpfe können in manchen Fällen helfen, jedoch ist der Prozess selbst nicht vollständig allergiefrei.
Studie der finnischen Strahlenschutzbehörde
Die finnische Strahlenschutz- und Nuklearsicherheitsbehörde (STUK) hat kürzlich mehrere UV-Geräte untersucht, die bei Wimpernverlängerungen eingesetzt werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Geräte bei Beauty-Behandlungen kein erhebliches Strahlungsrisiko darstellen, sofern sie sachgemäß verwendet werden.
Wichtige Erkenntnisse aus der Studie:
- Alle untersuchten Geräte wurden als Risikoklasse „hoch“ eingestuft. Diese Einstufung bezieht sich auf die mögliche Gefährdung des ungeschützten Auges durch UV-Strahlung. Da Kundinnen während der Behandlung jedoch die Augen geschlossen halten, blockieren die Augenlider mindestens 95 % der Strahlung. Entscheidend ist daher, dass die Kundin während der Anwendung nicht in die Lichtquelle blickt, solange diese eingeschaltet ist.
- Geräte für Wimpernverlängerungen emittieren keine UVB-Strahlen, die die Haut schädigen könnten. Die meisten Modelle arbeiten mit Wellenlängen im Grenzbereich zwischen UVA und blauem Licht, und die kurzen Aushärtungszeiten halten die Belastung der Haut gering.
- Die UV-Belastung der Kundin steigt deutlich an, wenn der Arbeitsabstand des Geräts verringert wird. Sie nimmt außerdem zu, wenn die Aushärtungszeit einer einzelnen Wimper verlängert wird oder wenn während einer Behandlung besonders viele Extensions appliziert werden.
- Die sichere Anwendung von UV-Härtungslampen liegt in der Verantwortung der Dienstleister. Sie sind dafür verantwortlich, dass die verwendeten Geräte sicher sind und sachgemäß eingesetzt werden.
- UV-LED-Geräte sollten mit klaren Anleitungen, Markierungen, empfohlenen Abständen und Aushärtungszeiten geliefert werden. Ohne diese Angaben ist ein sicherer Betrieb schwer zu gewährleisten.
Die vollständige Studie kann hier nachgelesen werden.
Sichere UV-LED-Lampen
Der Hersteller (oder Importeur) ist stets für die Sicherheit und Wirksamkeit der Produkte verantwortlich, die er auf dem Markt anbietet. Dies gilt auch für UV-LED-Lampen.
Die sichere Anwendung der Lampen liegt wiederum in der Verantwortung des Nutzers bzw. der Dienstleisters. Das Gerät muss sachgemäß verwendet werden und den Anweisungen des Herstellers entsprechen.
Beim Vergleich verschiedener UV-LED-Härtungslampen für Wimpernverlängerungen sollte stets auf folgende Zertifizierungen geachtet werden, um sicherzustellen, dass die Geräte den geltenden Sicherheitsstandards entsprechen:
LVD
Die Low Voltage Directive (LVD)-Zertifizierung, reguliert durch die Europäische Kommission, bestätigt die Einhaltung grundlegender Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen und schützt vor Risiken wie Stromschlag, Brand oder mechanischen Gefahren bei der Nutzung.
CE
Das CE-Zeichen (Conformité Européenne) ist eine EU-Zertifizierung, die bestätigt, dass ein Produkt die grundlegenden Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzanforderungen für den Verkauf im Europäischen Wirtschaftsraum erfüllt.
RoHS
Die Restriction of Hazardous Substances (RoHS)-Richtlinie ist eine EU-Verordnung, die die Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in elektrischen und elektronischen Geräten einschränkt. Durch das Verbot von Substanzen wie Blei, Quecksilber und Cadmium trägt sie dazu bei, Umwelt- und Gesundheitsrisiken zu verringern und sicherere Produktions- sowie Entsorgungsverfahren für technische Produkte zu gewährleisten.
IEC 62471:2008
Die internationale Norm der International Electrotechnical Commission (IEC) bewertet die photobiologische Sicherheit von Lampen und Lampensystemen im Hinblick auf potenzielle Gefahren wie UV-, sichtbares und Infrarotlicht.
Die Verwendung von Lampen mit diesen Zertifizierungen bildet die Grundlage für eine sichere Anwendung – sowohl für Wimpernstylisten als auch für Kundinnen.
Fazit
Bei sachgemäßer Anwendung ist die UV-LED-Härtung eine effiziente und grundsätzlich sichere Methode für Wimpernverlängerungen. Um mögliche Risiken zu minimieren, gilt: Stets einen ausreichenden Abstand zur Lampe einhalten, Schutzbrillen und Abdeckungen für die Haut verwenden und ausschließlich zertifizierte UV-LED-Geräte einsetzen.
Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, können Wimpernstylisten Behandlungen effizient durchführen und gleichzeitig die Risiken für sich selbst und ihre Kundinnen deutlich reduzieren.
